Gothic in Presse und Fernsehen
In den Medien, vor allem in der Boulevardpresse wird Gothic häufig auf okkulte Praktiken, Totenverehrung oder Grabschändung reduziert. Die Gothic Kleidung trägt natürlich dazu bei, dass diese Sichtweise in der Öffentlichkeit angenommen wird.
Natürlich sind diese Darstellungen nicht ganz aus der Luft gegriffen. In der Grufti Szene, besonders in deren Anfängen, gab es Treffen auf Friedhöfen, Vandalismus an Grabsteinen und die Entwendung von Grabschmuck zur Ausschmückung der eigenen vier Wände. Dies war nicht nur Ausdruck einer Lebenshaltung, die die Nähe zum Tod suchte. Es war in einer Jugendbewegung auch der Versuch, Tabus zu brechen und den besonderen Nervenkitzel einer Mutprobe zu erleben. Aber die Zeit dieser Gruftibewegung ist mittlerweile seit zwanzig Jahren vergangen. Und die Gruftis, die damals in jugendlichem Überschwang auch eine okkulte Totenverehrung auslebten, sind inzwischen in die Jahre gekommen und längst von den Friedhöfen in ein geregeltes, bürgerliches Leben übergewechselt.
Die heutige Gothic Szene distanziert sich von solchen Praktiken. In ihrem Lebensgefühl spielen Grabschändung oder gar schwarze Messen auf Friedhöfen keine Rolle, auch wenn dies dramaturgischer Höhepunkt in so manchem Fernsehkrimi ist. Aber solche Darstellungen bedienen natürlich auch die Sensationsgier des Publikums. Die Goths mit ihrer extravaganten und düsteren Gothic Kleidung, die eine Hinwendung zu jenseitigen Themen zu unterstreichen scheint, rufen in der Öffentlichkeit ein bestimmtes Bild hervor. Und eine Vorstellung, die seit über zwanzig Jahren immer wieder formuliert wurde, ist so einfach nicht mehr auszumerzen. Deshalb findet sich die Gothic Szene heute in der medialen Darstellung in einer bestimmten Ecke, aus der so leicht kein Entrinnen zu finden ist.