Weitläufig betrachtet
Die Frage, welchen Beruf man hat, kann man im Regelfall sofort beantworten. Es ist die Tätigkeit, mit der man seinen Lebensunterhalt verdient. Klar. Man stelle sich den Gesichtsausdruck des Fragenden an, wenn er zum Beispiel von einer Person, die schon lange im Arbeitsleben steht die Antwort bekäme: “Ich suche noch.” Hinterfragt man den Begriff Beruf, dann steckt dahinter das Berufung. In früheren Zeiten wurde in ein Amt berufen. Das ist der eine Aspekt. Der andere ist eher geistiger Natur. Wozu fühlt man sich selbst berufen. Wenige Menschen haben hier eine Antwort. Teils, weil es einem nie in den Sinn darüber nachzudenken und man alles einfach nimmt, wie es kommt, oder weil man aufgehört hat darüber nachzudenken. Beides ist traurig, denn das tun zu dürfen oder zu können, wozu man sich berufen fühlt, ist ein Segen. Es gleicht etwa dem Gefühl, sein Hobby zum Beruf zu machen. Oft findet man seinen wirklichen Beruf erst nach vielen Jahren. Es offenbart sich einem nicht unbedingt immer sofort. Manchmal wird die Berufung, die Tätigkeit, die einen erfüllt, erst nach vielen Irrwegen sichtbar, oft durch Zufall. Vielleicht hilft man nur mal irgendwo mit oder probiert einfach mal etwas, das man noch nie gemacht hat und merkt, das man schon immer hätte tun sollen. Denn darin ist man gut, hier fürchtet man keine Konkurrenz, man akzeptiert sie vielleicht sogar eher, denn hier ist Austausch und Erfahrung sammeln möglich. Dann kann man irgendwann sagen, dass man keine Arbeit hat, sondern einen Beruf.